Assurance Services AGVersicherungsplatz Liechtenstein wieder im Aufwind – Stempelsteuer bremst
TRIESEN – Der Wettbewerb am Versicherungsmarkt spielt härter. Philippe Moser, Präsident des Liechtensteinischen Versicherungsverbands, sieht immer noch grosses Potenzial für innovative Lebensversicherungsprodukte.
von Kornelia Pfeiffer
Innovative Lebensversicherungsprodukte haben ein grosses Potenzial, meint Philippe Moser, Präsident des liechtensteinischen Verbandes.
Volksblatt: Herr Moser, wie hat die Krise die europäische Versicherungswirtschaft getroffen?
Philippe Moser*: Das Geschäftsmodell der Versicherung ist ja langfristig ausgerichtet, was sich in der Krise bewährt hat. Anders als Banken nehmen Versicherungen laufend Prämien ein, sie haben also weniger Probleme mit Liquidität oder Refinanzierungen. Weil sie investieren können, sind sie aktuell ein stabilisierendes Element der Finanzmärkte. Aber natürlich - die Turbulenzen an den Börsen haben auch die Versicherungsunternehmen getroffen. Allerdings unterschiedlich.
Und den Versicherungsplatz Liechtenstein?
Inzwischen hat sich vieles wieder stabilisiert. Nachdem die Prämien 2008 um etwa zehn Prozent auf 5,9 Milliarden Franken zurückgegangen sind, stimmen die Signale in diesem Jahr wieder zuversichtlich. Dies trifft insbesondere für das vierte Quartal zu. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass der Versicherungsplatz Liechtenstein zuvor sieben Jahre lang überdurchschnittlich gewachsen ist.
Was wünscht sich der Versicherungsplatz Liechtenstein vom Staat?
Vorweg: Wir stehen voll hinter der Richtung, welche die Regierung eingeschlagen hat. Ein guter Ruf ist das A und O für den Finanzplatz. Das wirtschaftsfreundliche Umfeld ist die Basis, die es zu pflegen gilt. Was uns aber beispielsweise schmerzt, das ist die immer noch existierende Stempelsteuer, sprich die Umsatzabgabe. Wir schätzen, dass dem Finanzplatz dadurch mehrere 100 Millionen Franken an Prämiengeldern entgehen. Die landen in der EU, zum Beispiel in Luxemburg. Die Stempelabgabe ist international ein Wettbewerbsnachteil, auch wenn es um die Standortwahl von Finanzgesellschaften geht.
Hauptprodukt made in Liechtenstein sind fondsgebundene Lebensversicherungen, die dem Auf und Ab der Kapitalmärkte direkt ausgesetzt sind. Wie läuft das Jahr 2009?
Nach der für den Finanzplatz noch verhaltenen ersten Jahreshälfte erkennen wir immer mehr positive Signale. Traditionell ist das letzte Quartal für die Versicherungsgesellschaften das wichtigste. Und was wir von den Mitgliedern hören, stimmt uns zuversichtlich.
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen trägt der Kunde das volle Verlustrisiko, Garantiezinsen gibt es nicht, die Kostenstruktur gilt als undurchsichtig. Ein Auslaufmodell?
Ganz im Gegenteil. Wenn sich die Kapitalmärkte erholen, profitieren auch die Kunden. Bei fondsgebundenen Versicherungen ist die Kostenstruktur in der Regel klar und sie sind dadurch eher transparenter als klassische Lebensversicherungen. Ausserdem gibt es mittlerweile fondsgebundene Lebensversicherungen mit wählbaren Garantien. Hier trägt der Kunde kein oder zumindest nicht das volle Verlustrisiko. Der Versicherungsplatz Liechtenstein ist besonders attraktiv, um solche Produkte zu entwickeln.
Deutschland ist der Hauptmarkt für Liechtenstein. Was hat sich verändert seit der Steueraffäre?
Wir sehen wieder Silberstreifen am Horizont. Der rechtliche Rahmen ist nun klar, das OECD-Abkommen hat die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein auf eine neue, konstruktive Grundlage gestellt.
Deutsche Versicherer halten Kapitalanlagen, die vier Mal so hoch sind wie der Bundeshaushalt. In diesem riesigen Markt - wo liegen die Chancen für Versicherer mit Sitz in Liechtenstein?
Wir sind dienstleistungsorientiert, sind innovativ, und wir glauben an einen starken Finanzplatz. Zudem ist uns Stabilität sehr wichtig, so sind wir auch in der Krise von grossen Pleiten verschont geblieben. Die traditionell enge Verbindung zu unseren Nachbarländern zusammen mit den Gestaltungsmöglichkeiten hilft uns, als kleines Land in Europa flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.
Ein Instrument sind Lebensversicherungs-Mäntel, die völlig legal sind, wenn auch teuer?
Nein. Im Vergleich zu anderen Formen der Vermögens- und Vorsorgeplanung sind solche Lösungen kostengünstig. Ausserdem: Mäntel sind etwas für den Winter. Die Zeit der reinen «Mäntel» wird ablaufen. Die Zukunft gehört transparenten und nachhaltigen Vorsorgelösungen, die rechts- und steuerkonform sind und den Kunden gewisse Flexibilität bieten.
Entschlüsseln Sie uns «gewisse Flexibilität»?
Die Kunden wollen flexible Lösungen. Zum Beispiel mit Wahlmöglichkeiten bei Todesfallschutz, Garantien oder Rentenzahlungen.
Der Versicherungsplatz Liechtenstein will innovativer sein als andere. Inwiefern?
Hier denke ich an die angesprochenen Lebensversicherungen, die zum einen Garantien enthalten und zum anderen dem Kunden ermöglichen, am Aufwärtspotenzial der Märkte teilzunehmen. Mehrere Liechtensteiner Versicherungen haben Produkte dieser Generation schon entwickelt.
Und wo steht der Versicherungsplatz als Standort für Captives, für Pensionsversicherungen, für Spezialversicherungen wie Kunst- oder Bauversicherungen?
Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Liechtenstein ist ein europäischer Captive-Standort und die Vorteile im Wettbewerb sind einmalig. Die Steuern sind günstig und ein Captive in Liechtenstein kann als Direkt- oder Rückversicherer arbeiten und Risiken im EWR wie in der Schweiz abdecken. Zurzeit sind 13 Captives in Liechtenstein ansässig. Pensionsfonds gibt es 5. Bei beiden Versicherungsarten geht es dem Standort Liechtenstein darum, Anbieter mit Qualität anzuziehen.
Liechtenstein ist das einzige Land Europas, von dem aus Versicherungen in der EU und in der Schweiz aktiv werden können. Wird das Potenzial genutzt?
Da sprechen Sie einen wichtigen Standortvorteil an. Als Plattform für den Vertrieb in Europa hat sich Liechtenstein eine einzigartige Position aufgebaut. Diese gilt es für die Zukunft zu halten und auszubauen.
* Philippe Moser ist Präsident des Liechtensteinischen Versicherungsverbands und CEO der Swiss Life (Liechtenstein). Zuvor hatte er Führungsfunktionen bei internationalen Versicherungen und Banken. Seine Aufgaben führten ihn nach Asien, in die USA, nach Deutschland und London.