Assurance Services AG
Bâloise bringt neue Generation kapitalmarktnaher Rentenpolicen auf den Markt
BALZERS – Der Schweizer Versicherer Bâloise setzt auf Variable Annuities, entwickelt von der Liechtensteiner Tochter. «Das macht uns zu Vorreitern», sagt Annemie D’Hulster, CEO der Bâloise Life in Balzers.
Annemie D’Hulster: Belgien und Frankreich lehnen Versicherungsprodukte aus Liechtenstein ab, weil das Land auf der schwarzen Liste der OECD steht.
Volksblatt: Frau D’Hulster, wie stark ist der Ruf nach «sichereren» Versicherungen?
Annemie D’Hulster: Sehr aktuell und stark. Kunden berücksichtigen die Lebensversicherung wieder verstärkt als Alternative, wenn sie über Geldanlagen nachdenken. Und sie achten auch sehr auf die Qualität und Bonität des Versicherers. Da ist die Bâloise sehr gut positioniert: als eher vorsichtiges, konservatives und traditionelles Unternehmen. Wir konnten unser A-Rating auch in der Finanzkrise behalten.
Nun setzt die Bâloise auf eine neue Generation von Lebensversicherungen: Variable Annuities. Wie funktioniert das?
Diese Produkte kombinieren die Vorteile der klassischen mit denen der fondsgebundenen Versicherungen. Wir investieren die Prämie für jeden Kunden einzeln in ausgewählten Fonds. Gleichzeitig versprechen wir eine lebenslange garantierte Rente, deren Höhe bei Vertragsabschluss festgelegt wird. Als Kunde haben Sie die Sicherheit, dass Ihre Rente nicht gekürzt wird, und die Möglichkeit, über den Mehrwert eines eigenen Fonds von der positiven Entwicklung am Kapitalmarkt direkt zu profitieren. Das Kapitalmarktrisiko bleibt bei der Bâloise.
Sie nennen das erste Variable- Annuity-Produkt, das Bâloise Life in Balzers für die Bâloise Gruppe gebaut hat: RentaSafe. Wo stehen Sie im Wettbewerb?
Wir bieten mit RentaSafe die höchste Leiberente auf dem Schweizer Markt. Dazu zwei kleine Vergleiche bei einem 65-jährigen Mann: Der deutsche Marktführer garantiert mit einem ähnlichen Produkt lebenslang eine 4,5-prozentige Rendite auf die Einmalprämie im Euroraum. Das sind im Frankenraum weniger als 4 Prozent. Renta- Safe hingegen garantiert 5 Prozent. Dass wir bessere Konditionen und mehr Flexibilität anbieten können als mit einer klassischen Lebensversicherung, liegt an unserer Absicherungstechnik. Bei einem Investment von 300 000 Franken in eine sofort beginnende Leibrente erwirbt der Kunde eine jährliche garantierte Rente von 13 737 Franken, mit RentaSafe sind es 15 000 Franken.
Werden die klassische Kapitallebensversicherung und die fondsgebundene Lebensversicherung damit zum Ladenhüter?
Nein. Variable-Annuity-Produkte sind eine Erweiterung der Produktpalette. Es gibt auch Bedürfnisse, die ein «traditionelles» Produkt besser abdeckt. Die Bâloise-Gruppe bietet alle drei Typen von Lebensversicherungen an. Im Beratungsgespräch stellt sich dann heraus, welcher Typ für den Kunden geeignet ist.
In den USA sind die Prämieneinnahmen mit den flexiblen Anlageformen in den letzten Jahren um durchschnittlich 17 Prozent gestiegen. Wie hat die Finanzkrise das geändert?
Wie bei anderen Finanzprodukten ist auch der Verkauf von Variable Annuities zurückgegangen. Wichtig ist aber, dass sich diese Produktkonstruktion schon in der Finanzkrise 2002 bis 2003 bewährt hat. Bis heute ist mir kein Unternehmen bekannt, das seine Verpflichtungen aus diesem Geschäft nicht mehr erfüllen kann.
Noch aber gibt es Stimmen, die bei Variable Annuities beachtliche Risiken sehen?
Wenn Sie das Risiko meinen, das beim Versicherer liegt – das nimmt uns die BNP Paribas ab. Die Bank ist der Bâloise Life in Balzers verpflichtet, wir sind es gegenüber dem Kunden – wie bei der klassischen und der fondsgebundenen Versicherung auch. Der Kunde hat vollen Anspruch, selbst wenn die BNP Paribas insolvent würde. Also, keine «Lehman-Konstruktion». Somit kann es Ihnen als Kundin egal sein, wie wir unsere Verpflichtungen erfüllen. Sie kaufen eine Lebensversicherung und verlassen sich darauf, dass die Versicherungsgesellschaft eine Rendite erwirtschaftet und bis an Ihr Lebensende in der Lage ist, Ihre garantierte Rente plus Rendite auszuzahlen. Bei einer klassischen Versicherung legen wir Ihr Geld überwiegend in konservativen Papieren an. Bei Renta- Safe wird die Prämie zum grössten Teil in Aktien angelegt und mit Unterstützung eines soliden und erfahrenen Partners abgesichert.
Deutschland ist der grösste Markt in Europa. Wird es RentaSafe für den EU-Raum geben?
Zurzeit befassen wir uns intensiv mit den europäischen Märkten und deren Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Kernmärkte der Bâloise-Gruppe – wie Deutschland oder Belgien. Besonders im deutschen Markt sehen wir grosses Potenzial. Doch auch wenn Konkurrenten diese Märkte bereits eröffnet haben, sind wir alle erst in der Frühphase der Entwicklung Variabler Annuities.
Merken Sie, dass die deutsche Steueraffäre Liechtenstein zu einem Land «non grata» gemacht hat?
Wir merken, dass das Geschäft in Deutschland zurzeit harzt. Das aber dürfte sich ändern, sobald eine klare Regelung vorliegt zur Besteuerung einiger vermögensgebundener Lebensversicherungen der Bâloise. Was uns aber wirklich den Ausbau des Geschäftes erschwert, ist, dass Liechtenstein keine Doppelbesteuerungsabkommen mit den EU-Ländern hat. Ein zweiter kritischer Punkt ist die Tatsache, dass Liechtenstein immer noch auf der schwarzen Liste der OECD steht. Deswegen lehnen Belgien – einer unserer Kernmärkte – und Frankreich – auch nicht gerade ein kleiner Markt – Versicherungsprodukte aus Liechtenstein klar ab.
Die Versicherungen befinden sich in einem Konzentrationsprozess und die Grossen besonders sind auf Expansionskurs. Auch die Bâloise?
Zunächst einmal wollen wir organisch wachsen. Zum Teil, indem wir neue Leben-Produkte wie eben die Variable-Annuitites-Produkte entwickeln. Die Bâloise Life ist also ein wichtiges Element der Wachstumsstrategie der Gruppe. Gleichzeitig wollen wir neue Wachstumsfelder hinzugewinnen: sprich, uns gezielt in Europa regional ausdehnen, Zentren mit vermögenden Kunden erschliessen und gezielt akquirieren, wobei allerdings Zukäufe strategisch und kulturell Sinn machen müssen.