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Innovationen aus Liechtenstein


Neue fondsgebundene Versicherungskonzepte erobern den Markt. Es locken exotische Underlyings wie Zertifikate oder Private Equity.

Mit neuen Fondspolicen, die weniger traditionellen Vorsorgekonzepten als vielmehr den konkurrierenden Sparplänen der Fondsanbieter gleichen, sind die Lebensversicherer in Deutschland zuletzt verstärkt in die Offensive gegangen. Die neuen Produkte zeichnen sich nicht nur durch eine flexiblere Vertragsgestaltung aus, sondern orientieren sich auch mehr an den Renditeerwartungen der Anleger. Doch auf der Suche nach neuen Fondslösungen wandert der Blick der Produktentwickler vor allem ins Ausland. Das rechtlich eng geschnürte Anlagekorsett in Deutschland zwingt sie regelrecht, die liberaleren Rahmenbedingungen in Ländern wie Luxemburg, Liechtenstein oder Irland für die Performance der Fondsanlage zu nutzen. Der Umweg übers Ausland wird erst recht unerlässlich, wenn es um die Markteinführung exotischer Produkte geht, die in Deutschland per se keine Vertriebszulassung erhalten, wie bereits die Einführung von Hedgefonds-Policen 2003 gezeigt hat. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die neuesten Fondspolicen-Innovationen nicht aus Deutschland, sondern aus Liechtenstein, Luxemburg oder Irland kommen.

Geschlossene Fonds

Die erste Kombination aus fondsgebundener Rentenversicherung und geschlossenem Fonds präsentierte Anfang September die Liechtensteiner Quantum AG. Als Underlying der Prime Basket Pension dient der MPC Prime Basket, der erste offene Investmentfonds, der in geschlossene Fonds investiert. Gestreut wird agiofrei in Schiffsbeteiligungen, Immobilienfonds, Private Equity sowie Beteiligungen im Bereich der erneuerbaren Energien und anderer alternativer Anlagen. „Uns ist es gelungen, ein Programm zu entwickeln, das auf Basis der Zahlungsströme auf Anlegerebene einen Net Present Value berechnet und so eine aktuelle Bewertung der Beteiligung auf Monatsbasis ermöglicht“, erklärt Stephan Langkawel, Vertriebsdirektor der zur MPC-Capital-Gruppe gehörenden Assentus Bank in Hamburg, die die neue Police exklusiv über freie und institutionelle Vertriebspartner vertreibt. Einzahlungen können als Einmalanlage ab 5000 Euro und monatlich ab 100 Euro geleistet werden, weshalb die Police vor allem für jene Anleger interessant sein dürfte, die in der Phase des Vermögensaufbaus nicht auf den Einsatz alternativer Assetklassen verzichten möchten. Die Renditeerwartungen liegen bei mindestens acht Prozent jährlich. Von der Ratingagentur Franke und Bornberg gab es bereits eine „FFF“-Bewertung (hervorragend). „Der Fonds ist aufgrund der strengeren Investitionskriterien in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen“, erklärt Langkawel, der aber gerade in der Policenlösung einen gewissen Charme sieht. „Anleger die das Thema geschlossene Fonds aufgrund langer Laufzeiten und hoher Mindestbeiträge bisher zurückhaltender betrachtet haben, holen wir über das flexible Versicherungsprodukt ab.“ Ebenfalls aus dem Hause der Quantum Leben kommt seit wenigen Monaten die Werte Police der Liechtensteiner Werte AG. Im Mittelpunkt des Anlagekonzepts stehen Rohstoff- und Edelmetallfonds, die, anders als in Deutschland, auch physisch in Gold und Silber investieren können. Seit Anfang 2006 verfolgt die Vienna Life, Tochter der Wiener Städtischen Versicherung, mit ihrer Silver-Police ein ganz ähnliches Konzept. Eine Besonderheit der neuen Werte Police, die über eine Einmalbetragsvariante ab 10.000 Euro oder in regelmäßigen Beiträgen ab 100 Euro monatlich bespart werden kann: Über die sogenannte Cash-Back-Garantie bekommt der Anleger am Ende der vereinbarten Beitragszahlungsdauer die Abschlusskosten als eine Art Treuebonus erstattet.

Private Equity

Auch die Fondsexperten der Produktschmiede Patriarch haben hinter den Kulissen mit der Kombination aus fondsgebundener Rentenversicherung und Schiffsbeteiligung geliebäugelt. Dabei wollten die Frankfurter von den positiven Erfahrungen der letzten beiden Jahre profitieren. Bereits Anfang 2006 hatte man sich die Vorteile des Liechtensteiner Versicherungsmantels zunutze gemacht, um Anlegern hierzulande ein innovatives Investment zu ermöglichen. Die von Prisma Life entwickelte Patriarch Private Equity Police investiert in den Pearlfisher Equity Fund der VP Bank Liechtenstein. Ursprünglich für institutionelle Kunden und Familiy Offices konzipiert – Ideengeber war die Silvia Quandt Capital –, investiert der Fonds sein Kapital in die aussichtsreichsten börsennotierten Private-Equity-Gesellschaften, von denen es weltweit mittlerweile mehr als 600 gibt. „Durch die Börsennotierung der Gesellschaften kann die für einen geschlossenen Fonds typische lange Kapitalbildung ohne Renditeverlust umgangen werden“, erklärt Partriarch-Geschäftsführer Dirk Fischer die Besonderheit des Fonds. Seine Aussage beruht unter anderem auf einer empirischen Untersuchung der Universität Basel. Dort hat man festgestellt, dass Private Equity durch eine Börsennotiz nichts von seinen positiven Eigenschaften verliert. Die tägliche Verfügbarkeit ist sozusagen eine Gratiszugabe. Die knapp 36 Prozent Rendite des Pearlfisher Equity Fund im vergangenen Jahr sind da wohl ein schlagender Beweis. „Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass es sich um ein wirkliches Private-Equity-Investment handelt“, betontFischer. „Wir haben im Monatsvergleich schon Renditen von plus 17 bis minus neun Prozent gesehen.“ Aus diesem Grund empfiehlt Fischer die Police, die seit Juni 2007 sogar Rührup-fähig ist und monatlich ab 50 Euro bespart werden kann, nur zur Beimischung zu anderen Assetklassen.

Keine Privilegien

Sowohl auf die über Jung, DMS & Cie. vertriebene Patriarch Private Equity Police als auch auf die Prime Basket Pension der Assentus Bank – bei beiden Produkten orientiert sich die Höhe der Vertriebsprovision übrigens an den klassischen fondsgebundenen Rentenversicherungen – wird bei Abschluss das deutsche Recht angewandt. In Deutschland besteht im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern keine freie Wahl des Vertragsrechts. Während der gesamten Ansparzeit der Versicherung sind demnach alle Erträge für den Anleger steuerfrei, bei der Auszahlung muss er jedoch, je nach Auszahlungsvariante und im Nachlass- oder Schenkungsfall, die in Deutschland geltenden Steuern zahlen. Die vielgepriesenen Konkurs-, Schenkungs- und Nachlassprivilegien in Liechtenstein und Luxemburg sind für das Gros der in Deutschland aktiven Anbieter von fondsgebundenen Versicherungslösungen also gar nicht relevant. Sie nehmen bei der Auflage innovativer Produkte den Umweg über die Fürstentümer allein wegen der liberaleren Gestaltungsmöglichkeiten des Deckungsstocks sowie die günstigen Produktkosten in Kauf. Anleger, die dennoch in den Genuss der genannten Privilegien kommen wollen, müssten ihre Police vor Ort abschließen. „Das sind allerdings die wenigsten. 99 Prozent der Verträge werden in Deutschland abgeschlossen und fallen somit unter das deutsche Vertrags- und Steuerrecht“, warnt Frank Weber, Geschäftsführer der Schweizer Wertpapierverwaltung Swiss Select, Anleger davor, alle Liechtensteiner Policen über einen Kamm zu scheren. „Wenn es hart auf hart kommt, genießen die meisten Versicherungsnehmer keine Privilegien.“ Swiss Select und eine Reihe weiterer Gesellschaften bieten abseits des Breitengeschäfts Anlegern die Möglichkeit, ihre deutschen Wertpapierdepots via „Portfolio Wrapping“ in einen Versicherungsmantel aus Liechtenstein einzubringen. Eine solche Konstruktion hat eine völlig andere rechtliche Struktur als das klassische Bankdepot. Deshalb betrachtet der Fiskus nicht die einzelnen Anlagen innerhalb der Versicherung, sondern lediglich die Hülle von außen. Neben einkommenssteuerlichen Gründen können die optimierte Übertragung von Vermögen, die höhere Sicherheit oder andere Vorteile eine Rolle für das Wrappen spielen. „Anleger können liquide Wertpapiere bereits ab 50.000 Euro einbringen“, erklärt Weber. „Bei weniger liquiden Vermögenswerten wie etwa Gesellschaftsanteilen, Immobilien, Kunst oder Patenten liegen die Einstiegssummen jedoch deutlich höher.“ Auch Investoren ohne eigenes Depot können die Schweizer Policenexperten bei der Umsetzung einer individuellen Anlagelösung einbinden. In den maßgeschneiderten Depotlösungen von Swiss Select kommen neben Aktien, Renten und Fonds beispielsweise auch ETFs und Zertifikate zum Einsatz. Zurzeit entdecken vor allem Vermögensverwalter und größere Finanzdienstleister den Mantel der liechtensteinischen Lebensversicherung, um die flexible Produktkonzeption im Rahmen der Abgeltungssteuer zu nutzen. Zwar gilt auch hier grundsätzlich die 25-Prozent-Pauschale, diese wird aber erst bei der Auszahlung des Vermögenszuwachses erhoben. Anleger erreichen also eine Art Steuerstundung. Die steuerliche Belastung dieser Erträge lässt sich sogar halbieren, wenn die Lebensversicherung mindestens zwölf Jahre läuft und der Versicherungsnehmer am Tag der Auszahlung mindestens 60 Jahre alt ist.

Abgeltungssteuer

Ebenfalls auf einen Versicherungsmantel greift mittlerweile die Zertifikatebranche zurück, um der Belastung durch die Abgeltungssteuer zu entgehen. In der fondsgebundenen Rentenversicherung Diamant 4 der irländischen Inor Life Ltd., einer Tochter der Société Générale, findet sich kein einziger Fonds, dafür aber ein Korb von 24 internationalen Aktien. Anleger haben die Auswahl zwischen der Basisvariante Diamant mit 115- prozentiger Kapitalgarantie oder der renditeorientierten Diamant Plus, bei der das Kapital mit dem Faktor 2,5 gehebelt wird, dafür aber die Kapitalgarantie entfällt. Fondsgebundene Versicherungslösungen haben sich als Trägerrakete für Produktinnovationen also längst etabliert. Der Trend zu exotischeren Underlyings im Versicherungsmantel dürfte deshalb anhalten. So steht unter anderem die auf Holzinvestments spezialisierte Berliner Lignum AG vor der Einführung einer Fondspolice, die Privatanlegern ohne das nötige Kleingeld ein Direktinvestment in physische Edelhölzer erlaubt.